Ab in den Osten – mit dem Minicamper durch Rumänien

Unser Weg führt uns diesmal nach Rumänien. Unsere Erfahrungen mit Rumänien waren bis dato eher dürftig. Auch wir konnten uns natürlich nicht von den gängigen Vorurteilen, die bei uns über Rumänen herrschen, lossagen. Und was Rumänien landschaftlich zu bieten hat, davon hatten wir so gar keine Vorstellung. Aber da wir mehrere Empfehlungen von verschiedenen Seiten bekommen hatten und es uns eh in Regionen zieht, die nicht unbedingt als Touristenmagneten bekannt sind, war die Entscheidung schnell gefallen. Und für diese Reise hatten wir auch erstmals drei Wochen Zeit.

Es kann losgehen!

Als grobe Routenplanung wollten wir auf dem Hinweg über Polen, insbesondere die Masuren, und Slowakei anreisen. Der Rückweg war noch offen, eventuell wollten wir noch einen Stopp am Balaton einlegen.

Nach unserem Paddelabenteuer auf der Masurischen Seenplatte (das könnt ihr hier nachlesen) und einer Nacht in der Slowakei, erreichten wir den Grenzübergang in Satu Mare. Für uns bisher EU-verwöhnte Reisende war es schon ungewohnt, eine lange Autoschlange vor der Schranke vorzufinden, die sich aber dann doch relativ schnell auflöste. Neben unseren Ausweisen mussten wir auch unsere Fahrzeugpapiere vorzeigen (zumindest glaubten wir das beim Vorgänger erkannt zu haben und die Zöllner waren damit wohl zufrieden 😉 )

Jetzt waren wir also in Rumänien, das Abenteuer konnte beginnen. Der erste Eindruck war toll! Viele kleine Häuschen teils ganz neu gebaute Massivhäuser, teils schon sehr alte Bretterhütten direkt nebeneinander, zum Teil Pferdekarren auf den Straßen und freundlich wirkende Menschen.

Da wir wie immer völlig unbedarft (manche würden es wahrscheinlich planlos nennen) losgefahren sind, erfuhren wir erst durch die Reaktionen auf unsere Videos bei YouTube, dass es wohl wunderschöne Passstraßen durch die Karpaten geben sollte und durch ein bisschen Recherche erstellte ich uns eine Route, die uns quasi einmal im Kreis durch Rumänien führen sollte.

Hinweg durch Rumänien

Das Ziel war gesetzt: das Schwarze Meer. Auf dem Weg dorthin erhofften wir uns einsame Gegenden, wunderschöne Landschaften und tolle Straßen durch hohe Berge.

Und diese Hoffnung wurde zu 100% erfüllt. Die schönsten Gegenden haben wir auf der Suche nach einem Schlafplatz gefunden. Der erste Volltreffer war die Passstraße Transraraul. Die Straße ist nur 26km lang, verbindet die Orte Chiril und Pojorata und ihr höchster Punkt liegt bei 1400m. Diese Straße besteht aus unzähligen Haarnadelkurven und Serpentinen, anfangs noch durch wunderschöne Wälder und je höher man kommt, desto mehr lichtet sich der Wald und es bieten sich unzählige wunderschöne Ausblicke ins Tal.

Stellplatz auf dem Transraraul

Aber Vorsicht: die Straße ist auf 3m Höhe begrenzt, zumindest auf der Nord-Süd-Richtung. Nach unserer Übernachtung da oben schauten wir uns noch den Piatra Soimului an, eine kleine Aussichtsplattform, die uns trotz starkem Nebel ein unglaubliches Panorama bot.

Der nächste Höhepunkt war die Bicaz-Klamm. Eine 10km lange Gebirgsstraße, die durch eine Schlucht führt, an der Felswände bis zu 300m in die Höhe ragen. Ein absolut empfehlenswerter Ort, auch wenn natürlich die obligatorischen Touristenstände mit allem möglichen Plunder nicht fehlen dürfen.

Weg durch die Bicaz-Schlucht

Ein erster kleiner Schreckmoment blieb uns auf unserer Tour auch nicht erspart. Für einen möglichen Schlafplatz verließen wir die befestigte Straße und wechselten auf einen Feldweg. Da es allerdings die letzten Tage und wahrscheinlich auch die letzten Wochen teilweise stark geregnet hatte, war dieser Weg sehr aufgeweicht und voller tiefer Pfützen. Nachdem ich die Tiefe der Pfützen mit einem „Wat-Test“ abgecheckt hatte, trauten wir uns und dem Auto den Weg zu. Nach ein paar Metern allerdings bestand der Weg nur noch aus Schlamm und vorgeschädigt durch unseren Zwischenfall in Lettland (wir sind ja auch ein bisschen lernfähig), kehrten wir dann doch lieber um.

Und dann, nach einer Woche Fahrt, hatten wir es geschafft. Das Schwarze Meer war in Sicht. Durch einen Tipp fanden wir den unglaublichsten Stellplatz, quasi direkt am Meer und menschenleer! Die Anfahrt allerdings ist mit Vorsicht zu genießen – die letzten Kilometer besteht der Weg aus Steinplatten, die teilweise nach oben ragen und am Ende fährt man komplett auf Sand. Also Vorsicht bei Regenwetter. Wir wurden allerdings mit herrlichstem Wetter belohnt. Das hatten wir uns nach gefühlt 7 Tagen Regenwetter auch verdient! Jetzt hieß es erstmal entspannen. Den nächsten Tag verbrachten wir komplett am Strand und wurden dafür mit einem ordentlichen Sonnenbrand bestraft. Aber das war es auf jeden Fall wert. Ein kleines Lagerfeuer am Abend machte diesen Tag perfekt.

Zwei Tage Stillstand waren dann aber genug. Doch bevor wir das nächste tolle Ziel erreichen sollten, folgte erstmal der zweite Schreckmoment. Auf der Autobahn bemerkte Rene, dass ein Hinterrad Platten hatte. Unser Ersatzrad musste ja damals zu Gunsten der Standheizung weichen, dafür hatten wir Reifenspray dabei. Am nächsten Rastplatz identifizierten wir den Übeltäter, eine Niete, und das Reifenspray kam nach Bedienungsanleitung zum Einsatz. Niete raus, Reifenspray einfüllen, 10km mit 60km/h fahren, damit sich das Spray im Reifen verteilt und verdichtet. Leider blieb das erwünschte Ergebnis aus. Das Spray wurde während der Fahrt aus dem Loch rausgepresst. Uns blieb nichts anderes übrig, als auf dem Standstreifen anzuhalten und eine Lösung zu finden. Rene/McGyver hat dann einfach erstmal wieder eine Schraube in das Loch gedreht und mit dem Kompressor Luft aufgepumpt. Das hielt zum Glück bis zur nächsten Werkstatt, in der uns unkompliziert und schnell geholfen wurde. Der Reifen hat dann auch bis nach Hause gehalten und wurde inzwischen ausgetauscht. Das Reifenspray wurde dann direkt nach unser Ankunft zu Hause durch dieses Reifenflickset ersetzt. Auf diese Art hat auch die rumänische Werkstatt unseren Reifen geflickt.

Der nächste Halt war im Bucegi Nationalpark. Wir hatten einen wunderschönen Stellplatz auf einer großen Wiese direkt an einem reißendem, eiskalten Bach und in der Nähe sollte es eine Höhle geben, die wir uns am nächsten Tag anschauen wollten.

Leider mussten wir dann feststellen, dass in der Ialomita Höhle Hunde nicht erlaubt sind. Also improvisierten wir und bestiegen einen der zahlreichen Gipfel, die es in der Nähe gibt. Das lohnt sich nämlich immer.

Wir gönnten uns noch einen Tag im Nationalpark und besuchten als nächstes das Schloss Bran. Touristen wird dieses Schloss als Draculas Schloss verkauft, obwohl es absolut nichts mit dem Buch bzw. mit dem historischen Vorbild der Figur zu tun hat. Aber dementsprechend voll war dieser kleine Ort auch, erstmal ein Schock für uns. Das Schloss ist aber auf jeden Fall einen Besuch wert und man kann auch sehr gut und günstig parken.

An diesem Tag erreichten wir dann auch noch den südlichen Anfang des Transfaragasan.

Transfaragasan von oben

Wir blieben am Abend erstmal auf einem Platz in Arges und versuchten am nächsten Tag die Burg Poenari zu besichtigen. Die ist aber leider auf Grund von Bären geschlossen. So machten wir uns wieder auf den Transfaragasan. Die Straße ist bis Kilometer 104 zu befahren (weitere Infos hier).

Leider geschlossen

Wir fuhren dann noch bis Kilometer 108, wo eine Schranke den Weg absperrte. Auf den Drohnenbilder waren dann auch noch deutlich Schneemassen zu erkennen, die eine Weiterfahrt definitiv unmöglich gemacht hätten. Die Straße selbst hat uns ehrlicherweise bis Kilometer 104 nicht unbedingt aus den Socken gehauen, da rechts und links viel Wald die Sicht versperrt hat. Eigentlich fing der wirklich schöne Teil erst danach an. Wie es bei der Anfahrt von der Nordseite aussieht, können wir natürlich nicht beurteilen.

Uns blieb an dieser Stelle nur die Rückfahrt, die aber nochmal ein echtes Highlight bot: einen BÄREN!
Er ließ sich glücklicherweise eine Weile beim Fressen beobachten, bevor er wieder im Dickicht verschwand. Aber dieses Erlebnis hat uns auf jeden Fall vor Augen geführt, dass Bären eine reale Gefahr in Rumänien sind, die man nicht unterschätzen sollte!

Unser Glück versuchten wir als nächstes bei der als schönsten und höchsten Passstraße Rumäniens bekannten Transalpina. Über knapp 150km schlängelt sie sich bis auf 2145m durch die Transsilvanischen Alpen. Wir befuhren die Straße wieder in Süd-Nord-Richtung. Das schöne ist, man findet am Wegesrand sehr viele schöne Möglichkeiten zum Übernachten.
Die Fahrt wurde dann leider auch durch eine Schranke versperrt. Zu Fuß liefen wir noch ein Stück bis auf 2000m hoch. Da wurden dann Schneefelder und Felsabgänge sichtbar. Einige geländegängigere Autos versuchten dennoch ihr Glück und hatten wahrscheinlich auch Erfolg, wir sahen sie jedenfalls nicht zurück kommen. Unserem Dacia trauten wir das allerdings nicht zu und so verließen wir die wirklich wunderschöne Passstraße wieder.

Straßensperre auf dem Transalpina

Als Abschiedsgeschenk von Rumänien bekamen wir an diesem Tag nochmal einen absolut genialen Schlafplatz am See Polana Marului geboten. Direkt am See gelegen, ringsum Pferde (und auch ein paar andere Menschen xD).

Am nächsten Tag hielten wir auf dem Weg Richtung Ungarn in Timisoara und gönnten uns ein Essen in einem tollen Restaurant in der Innenstadt. Timisoara machte einen sehr sympathischen Eindruck auf mich und steht jeder anderen europäischen Großstadt in nichts nach.

Unser Fazit nach drei Wochen Rumänien ist auf jeden Fall durchweg positiv. Wer Ruhe, unberührte Natur und abwechslungsreiche Landschaften sucht, wird dort definitiv fündig werden.

Unser Rückweg durch Rumänien

Ein paar harte Fakten zum Schluss:

Die Landeswährung ist Rumänischer Leu. Wir haben auf unserer Reise zu 99% mit Karte bezahlt, was auch ohne Probleme möglich ist. Wir haben sogar in Euro zahlen können, wo Kartenzahlung nicht angeboten wurde (z.B. an Straßenständen). Dennoch würde ich empfehlen, Landeswährung physisch dabei zu haben. Man ist unabhängiger und erspart den Menschen den Umtausch.

Auf den Nationalstraßen braucht man eine Vignette („Rovinieta“), die man an Grenzübergängen, Tankstellen, aber auch online erwerben kann. Ihr bekommt dann nur einen Beleg und eure Daten werden in einer Datenbank gepeichert.
Es gibt darüber hinaus noch ein paar Brücken über die Donau, für die man eine Extragebühr bezahlen muss. In unserem Fall war das die Verbindung Fetesti-Cernavada. Die Maut haben wir nach der Überfahrt an einer Tankstelle bezahlt, das ist wohl bis 24h nach der Überquerung möglich. Das Angebot, die Gebühr per SMS zu bezahlen, hat bei uns leider nicht funktioniert.

Die Straßenverhältnisse haben wir als überwiegend gut bis sehr gut empfunden. Die Autobahnen werden oder wurden zum Teil neu gebaut und sind daher natürlich in einem Topzustand. Je mehr man sich natürlich auf kleinere Straßen in abgelegenere Regionen begibt, desto schlechter werden auch die Straßen. Dennoch hatten wir nie Angst um unser Auto und nach unserem Empfinden waren zum Beispiel die Straßen in Polen in einem schlechteren Zustand.

Die Pässe Transfaragasan und Transalpina sind nicht ganzjährig befahrbar.
Der Transfaragasan hat feste Öffnungszeiten von Juli bis Oktober.
Der Transalpina hat flexiblere Öffnungszeiten je nach Wetter. Am besten informiert ihr euch hier. Ist zwar eine rumänische Seite, aber die einzig aussagekräftige, die wir finden konnten.

Und wie immer könnt ihr euch unsere Tour auch gern auf unserem YouTube-Kanal anschauen.

4 Antworten auf „Ab in den Osten – mit dem Minicamper durch Rumänien“

  1. Hallo ihr beiden!

    Ihr seid einfach die allerbesten! Eure Videos machen echt süchtig! Mittlerweilen kennen wir fast alles schon auswendig!

    Macht weiter so!

    Viele liebe Grüße
    Vanessa & Frank

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